Nieder mit der Demokratie! Es lebe die Revolution!

Einleitung der Soligruppe für Gefangene,

wir übernehmen von der anarchistischen Publikation aus München, Zündlumpen, die Übersetzung, eines Textes von Anarchisten und Anarchistinnen zu der Jahrhundertwende aus Bialystok, eine hervorragende Idee dies zu machen. Dieser Text stammt aus dem Buch auf Spanisch Anarquistas de Bialystok 1903-08. Hoffentlich wird dieser auch in bald auf Deutsch veröffentlicht werden.


Nieder mit der Demokratie! Es lebe die Revolution!

Im Jahr 1904 machte sich im russischen Reich eine aufständische Stimmung breit, welche im folgenden Jahr dann auch explodieren sollte. Zu dieser Zeit gab es in Bialystok, im heutigen Polen, eine kleine Gruppe Anarchist:innen, welche ihre Ideen in Flugblättern, Zeitungen und durch Angriffe auf Industrielle und Bullen artikulierten. Das unten übersetzte Flugblatt gilt als eines der ersten anarchistischen Flugblätter auf russisch, da anarchistische Propaganda zuvor fast ausschließlich durch Reden und in Diskussionen verbreitet wurde und erst zu diesem Zeitpunkt Anfang des 20. Jahrhunderts ein Großteil der Ausgebeuteten des Lesens mächtig war. So ist das folgende Flugblatt zu Lesen: Eine klare Analyse und ein dementsprechender Vorschlag wird in einfache Sprache verpackt.

Während die Bevölkerung zu jener Zeit noch unter dem absolutistischen Zarenreich lebte, machten die Anarchist:innen klar, dass auch die sich ankündigenden liberalen und demokratischen Reformen, welche 1905 tatsächlich in Kraft traten, nichts an der Ausbeutung und Unterdrückung der Massen verändern würden. Denn nur eine Revolution könne diese befreien. Dieser Gewissheit ist auch die Entschlossenheit geschuldet, mit welcher sich in den folgenden Monaten und Jahren Anarchist:innen und andere Revolutionär:innen an den Kämpfen und Revolten im russischen Reich beteiligten. In Folge der Ereignisse von 1905 kam es von St.Petersburg bis Warschau, von Odessa bist Riga, von Moskau bis nach Minsk zu etlichen bewaffneten Aufständen, die Staatsmacht wurde punktuell vertrieben, tausende Villen und Schlösser von Großgrundbesitzern abgefackelt, hunderte Bullen erschossen und etliche Banken enteignet. Fester Bestandteil dieses aufständischen Kampfes war eine klare und deutliche Propaganda und Analyse, einhergehend mit öffentlichen Diskussionen und dem Drucken, Schmuggeln und Verteilen von Zeitungen und Flugblättern. Viele junge Anarchist:innen ließen in jenen Monaten ihr Leben und Viele, welche diese Ereignisse überlebt hatten, landeten später in bolschewistischen Kerkern und Lagern.

Einiges, was die anarchistische Analyse von damals an Schärfe hatte, scheint heute verloren gegangen zu sein: Denn auch wenn die Gefährt:innen von damals noch keine Sekunde in einer Demokratie verbracht hatten, waren sie sich vollkommen bewusst darüber, dass diese nur die tatsächlichen Herrschaftsverhältnisse verschleiern würde. „Nieder mit der Demokratie! Es lebe die Revolution!“ – war ihr Spruch, welcher im klaren Widerspruch zu irgendeinem evolutionären Modell zur Veränderung der Gesellschaft stand und steht. Heute, im Angesicht eines „Rechtsrucks“ der Regierungen und einer erstarkenden faschistischen Bewegung, scheinen viele Antiautoritäre die bestehende Gesellschaftsordnung vor einem Rückwärtslaufen der Geschichte bewahren zu wollen und so verpflichtet ihr antifaschistisches Bewusstsein sie nicht selten dazu den Gang zur Wahlurne anzutreten. Für uns kann das Wählen der eigenen Herrscher aber kein pragmatischer real-politischer Kompromiss sein. Auch im hier und jetzt wollen wir die in der Geschichte und auf der Welt zu jedem Moment präsente Möglichkeit bekräftigen, das System der Ausbeutung und Unterdrückung hinwegzufegen und gegen dieses anzukämpfen, um in Richtung eines Lebens ohne Beherrschung und Ausbeutung zu gehen.

Und was tun im Angesicht der faschistischen Drohung? Kämpfen, mit den gleichen Mitteln, mit den gleichen Idealen. Viele der oft jüdischen Anarchist:innen sahen sich 1905 im russischen Reich mit antisemitischen Pogromen konfrontiert und waren bereit ihre Freunde und Bekannte mit der Waffe in der Hand vor den Faschist:innen zu verteidigen. Eine revolutionäre Bewegung ist das beste Mittel gegen den Faschismus und sie macht den Faschist:innen UND den Demokrat:innen Angst – eine Bewegung, die sowohl alleine und verstreut, als auch koordiniert und kollektiv zur Tat schreiten kann.

Die Anarchistin Fanny Kaplan, welche bereits an den Aufständen 1905 aktiv teilnahm, entschied sich 1918 dazu den roten Diktator Lenin alleine umzubringen und verletzte diesen schließlich schwer durch drei Kugeln. Dieser Angriff hatte sicherlich seinen Anteil an Lenins frühem Ableben sechs Jahre später.

Scholem Schwarzbard, der 1919 die antisemitischen Pogrome in der Ukraine erlebte, entschloss sich 1926 dazu, den in die Pogrome involvierten nationalistischen Kommandanten Simon Petliura in seinem Exil in Paris zu rächen und erschoss diesen auf offener Straße. Beispiele wie diese gibt es unzählige in der anarchistischen Geschichte und alle zeigen sie: Faschist:innen und Tyrannen bekämpft man nicht in der Wahlkabine, sondern auf der Straße. Auch heute werden Treffpunkte von Faschist:innen und ihre Autos und Privathäuser attackiert, genauso wie die Firmen und Strukturen der Ausbeutenden und Regierenden.

Lassen wir uns nicht von den demokratischen Diskursen einlullen und besinnen uns auf das, was wir wollen: Eine soziale Revolution.

 

Die Demokratie

Das ganze liberale Russland ist aufgewühlt. Es richtet seine Augen nach oben in Richtung des neuen Ministers Sviatopolk. Von dort erwartet es Reformen, von dort hört man die Hymnen des Liberalismus… Man sagt, dass das Ende des autokratischen Zarentums naht, dass man bald frei sei, dass die Wissenschaft erblühen und das Volk sich von der Unterdrückung erholen würde. Einige, und zwar die Liberalen, werden das Monument der Nationalen Freiheit dekorieren, während sie gleichzeitig aufpassen werden, damit dasselbe sie mit einer riesigen polizeilichen Armee beschützt. Die anderen – die Sozialdemokraten und Sozialrevolutionäre – hyperventilieren vor Enthusiasmus und überzeugen die Arbeiter, dass die Demokratie eine ausgezeichnete Waffe für die folgende Arbeiterbefreiung ist. Deswegen freuen sich alle… Mit Leidenschaft machen sie sich an ihre heilige Arbeit – das demokratische Nest muss errichtet werden. Und die Sozialisten begleiten sie mit den sozialistischen Hymnen. Aber für euch, für die Arbeiterklasse – gibt es irgendeinen Grund zur Freude? Wäre es nicht gut darüber nachzudenken, was die Demokratie ist und was sie uns gibt und geben kann?

Demokratie bedeutet die Regierung des Volkes. Das Volk sendet seine Repräsentanten ins Parlament und die versammelten Abgeordneten verteidigen dort die Interessen der Gruppen, die sie gesandt haben. Sehr essenziell scheint das Wahlrecht zu sein. Das Volk fragt sich oft – zwar nicht immer und nicht überall – ob es jene Entscheidungen gutheißt. In manchen Ländern streben die Demokraten eine direkte Gesetzgebung durch das Volk an, damit dasselbe das Gesetz erlassen kann. In der Demokratie werdet ihr die Meinungs-, die Presse- und die Versammlungsfreiheit haben. In manchen Ländern gibt es mehr von diesen Freiheiten, in anderen weniger.

Wie ihr seht, versteht man unter der Demokratie die Regierung des Volkes. Aber ihr, die Arbeiter, müsst darüber nachdenken, welche Bedeutung die Demokratie für euren Kampf hat und haben kann. Darüber könnt ihr allerdings erst entscheiden, nachdem ihr eine Tatsache vergessen habt, nämlich dass die bestehende Gesellschaft in Klassen geteilt ist. Das bedeutet, dass auf der einen Seite die Eigentümer stehen, welche die Ländereien, die Maschinen, die Produkte und die Häuser und alles für die menschliche Existenz Notwendige in der Hand haben; auf der anderen Seite gibt es die Arbeiter, die Nichts besitzen und ihre Körper, Hirne und Seele dem Kapital verkaufen, die Arbeitslosen und Bauern, die hungern und betrogen werden und welche die Lebenskraft aus sich selbst und Mutter Erde aufzehren, belastet von Schulden und Steuern.

Ihr: die Klasse. Euer Glück und Frieden, eure sinnvolle Existenz hängt nur von einer einzigen Bedingung ab: Mit Gewalt müsst ihr die Reichtümer der Erde in eure Hände nehmen und den Staat zerstören, jenen Staat, der euch immer regiert und stets die Reichen vor euren Revolten verteidigt. Arbeiter, jetzt müsst ihr verstehen, dass obwohl ihr durch eure Lebensumstände bedingt eine Klasse seid, ihr noch fern davon seid, auch durch eure Taten und euer Bewusstsein eine Klasse zu sein. Dem ist so weil der Großteil von euch oft nicht als eine Klasse handelt, die ihre eigenen Klasseninteressen hat… Nein, ihr verteidigt die Herren, eure Feinde. Es gibt viele Gründe für euer Unglück. Einer davon ist, dass die Pfaffen, die Wissenschaftler, die Anwälte und die Künstler aus der besitzenden Klasse versuchen die Tatsache zu verbergen, dass ihr die Feinde dieses Systems seid, seine Sklaven und sein Kanonenfutter. Sie wollen euch überzeugen, dass ihr und eure Feinde ein Volk seid, eine Nation. Aber euer Ziel, eure Aufgabe, euer einziges Streben muss es sein dem Adel und den Eigentümern Alles zu nehmen und die Soziale Revolution in Gang zu bringen. Und dafür müsst ihr kämpfen. Ihr, die Arbeitslosen, müsst euch stehlen, an was es euch fehlt und ihr müsst bewaffnet sein. Der Arbeiter muss aufhören seine Muskeln anzubieten um die Reichtümer der anderen zu vermehren und muss das Eigentum angreifen. Die Bauern müssen sich das Land nehmen und die Wälder der Großgrundbesitzer plündern. Gibt es andere Mittel des Kampfes? Nein! Die Klasse hat immer nur, was sie sich erobert hat. Die Kraft der Arbeiterklasse liegt in der Gewalt, denn sie besitzt nichts anderes – weder jemanden, der sie verteidigt, noch eine Armee, die anstatt ihrer kämpft. Wird die notwendige Gewalt lange andauern? Solange der Staat existiert, welcher den Rücken des Eigentum erzeugt und schützt – die größte Stütze der Gewalt und Bösartigkeit.

Vergesst diese drei Punkte nicht: Ihr seid jeder Nation gegenüber eine feindliche Klasse; ihr verwandelt euch in eine Klasse, wenn ihr handelt und eure Handlungen werden durch Gewalt ausgeführt. Mit diesem Wissen wird es sehr einfach sein die folgende Frage zu beantworten: Welche Bedeutung hat die Demokratie für euch?

Die Demokratie ist tatsächlich die Regierung des Volkes. Somit sind die Mehrzahl der Fragen schon beantwortet. Und obwohl jede Regierung in der Vergangenheit und in der Zukunft ein Mittel der Unterdrückung war, schadet es nicht ein bisschen darüber nachzudenken, was eine solche Regierung des Volkes bedeutet. Es ist so, dass im Volk der Wolf und das Lamm nebeneinander Platz nehmen, das Raubtier und die zerfetzte Beute. Das Raubtier sind die Eigentümer und die Opfer die Enteigneten. Die Regierung des Volkes muss beim Verabschieden seiner Gesetze ein paar Kompromisse eingehen: Könnt ihr euch auch nur für einen Moment vorstellen euch an einen Tisch mit euren Feinden zu setzen? Was bedeutet die Mehrzahl der Stimmen für euch? Es ist nicht notwendig und muss nicht erwähnt werden, dass wirklich freie Menschen in Zukunft ihre Sachen nicht auf diese Art und Weise entscheiden werden… Ihr Arbeiter, denkt darüber nach, welchen Sinn die Mehrheit der bürgerlichen Stimmen für euch haben kann… Zwischen euch und der Bourgeoisie gibt es einen qualitativen und nicht unbedingt einen quantitativen Unterschied. Ihr wollt zerstören, was sie schützen und in jedem Moment dieses Kampfes seid ihr Feinde. Und wenn sie in der Mehrzahl sind, auch wenn dies nur durch die Hilfe eurer unbewussten und durch Angst genötigten Brüder passieren kann, ist es immer notwendig zu kämpfen, mit Gewalt zu kämpfen. Die Gewalt ist der einzige Quell eurer Kraft. Genau weil ihr Viele seid, darf man sich nicht vor ihnen niederknien, sondern muss beginnen zu kämpfen.

Und so bieten sie euch, denjenigen die nur Kinder einer Klasse und nicht einer Nation sind, an die Regierung des Volkes zu bilden… Warum? Sie wollen, dass ihr Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft werdet, damit ihr die Notwendigkeit vergesst, diese zu zerstören. Und eure Feinde sollen sich tatsächlich um die Meinung der Mehrheit sorgen? Ach was! Wenn es einen Streik gibt und die Arbeiter, also die Mehrheit einer Stadt, rebellieren, antworten sie mit Schüssen und Gefängnisstrafen. Es ist glasklar, dass die Demokratie euch zu verstehen gibt: Sprich aus, auf was du Lust hast, schreib, was du willst… aber fass‘ weder das Privateigentum noch den Staat an! Und eure Interessen stehen all dem entgegen, denn sie drängen euch sich alles zu nehmen, die Fundamente zu hinterfragen und den Staat niederzureißen und zu destabilisieren.

Wenn ihr Demokraten seid, könnt ihr deswegen die Freiheiten genießen, solange ihr die Grundlagen (das Eigentum) nicht in Frage stellt und wenn ihr keine Demokraten seid und euch in den Klassenkampf begebt, werdet ihr diese Freiheiten nicht haben. Sie können euch von der Versammlungs-, Vereins-, Meinungs-, und Pressefreiheit erzählen. Aber ihr müsst mit anderen Zielen zusammen kommen – um zu lesen, zu studieren und eure Kräfte zu entwickeln, um das Eigentum auf effektive Art und Weise angreifen zu können. Wenn ihr es nicht tut, seid ihr Sklaven – elende, unbeholfene und dumme Sklaven. Denn wenn die Bourgeoisie versteht, dass eure Treffen und eure Gewalt etwas miteinander zu tun haben… Ah! Sie werden euch eure Freiheiten nicht mehr genießen lassen, obwohl eure Rechte per Gesetz abgesichert sind. Deswegen dürft ihr um euch treffen, sprechen und schreiben zu können von keiner demokratischen Garantie abhängen, sondern in eure Gewalt vertrauen. Sie wird jedweden Versuch aufhalten, der verhindern könnte, dass ihr euch trefft oder auf anarchistische Art und Weise sprecht. Deswegen sind die demokratischen Freiheiten ein Betrug und haben keinen Wert für den revolutionären Klassenkampf.

Ihr müsst auch beachten, dass ihr euch als eine Klasse mit Taten ausdrücken müsst. Der Arbeiter, der für gewöhnlich für seinen Eigentümer stimmt, da er den Kapitalisten auf den Leim gegangen ist, wird ab dem Moment, wenn er an einem Streik teilnimmt, sich gegen den Eigentümer stellen und wird es auch in Zukunft tun, denn er wird die Feindschaft verstehen, die zwischen den beiden Klassen existiert oder schlichtweg deswegen, weil die Eigentümer wegen seines Versuches ein Stück Brot für seine Kinder zu retten auf ihn schießen werden. Deswegen drückt sich der Willen der Klasse in Aktionen aus, die Unruhe auslösen und destabilisieren. Wenn ein Arbeiter wählt, wenn deutlich wird, dass er nicht im Widerspruch zu den Feinden steht, sei es weil er keinen Klasseninstinkt in seinen Venen hat oder sei es dem Gift des betrügerischen Konzeptes der Nation geschuldet, handelt er direkt im Sinne der besitzenden Klasse. Der Wille der Klasse liegt in der Desorganisation der Nation. Der Wille der Nation ist es uns als eine Klasse zu desorganisieren.

Die Lüge und der Betrug sind die Hymnen der bürgerlichen Freiheit. Es ist eine Lüge zu glauben, dass ihr auf dem Weg der Demokratie zum Sozialismus gelangen werdet. Man muss sich entscheiden, ob man als eine Klasse handeln will, die es wagt in Konflikt mit der bürgerlichen Mehrheit zu treten oder nicht – entscheiden, ob man auf dem Boden des Gesetzes bleiben will oder als Klasse das Gesetz permanent brechen will. Es ist offensichtlich: Wen ihr euch von den Demokraten überzeugen lasst, werdet ihr über das reden, nach was euch der Sinn steht – über die glückliche Zukunft, den Sozialismus oder was auch immer – aber zur gleichen Zeit werdet ihr tun, was die Bourgeoisie will und ihre Gesetze nicht übertreten, die das Eigentum beschützen. Und wenn ihr euch in den Klassenkampf stürzen werdet, werdet ihr der Bourgeoisie feindliche Sachen antun. Es gibt zwei Wege, zwei entgegengesetzte und unversöhnliche Wege, so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Der eine sagt: „Mitsamt der Bourgeoisie werden wir die Autokratie umstürzen, danach schaffen wir eine Demokratie und werden die legalen Mittel des Kampfes benutzen.“ Der andere sagt: „Ihr, die Arbeiter, müsst als Klasse gegen jedes Gesetz sein. Wenn sich euch ein Verteidiger der Autokratie nähert, wird er euch sagen: „Der Zar ist euer Vater und die Untertanen sind seine Kinder, welche er wie seine eigenen hütet.“ Darauf müsst ihr antworten: „Das ist eine Lüge. Wir brauchen keine Väter, weder weltliche noch himmlische, denn alle von ihnen unterdrücken uns und schützen das Privateigentum.“ Wenn sich euch ein Demokrat nähert und sagt: „Nimm die Meinungsfreiheit und die Freiheit der Presse und der Versammlung, aber rebelliere nicht und mach nichts kaputt… So sind wir die Kinder der gleichen Nation.“, antworte ihm, dass „deine Freiheit nur jenen gilt, welche es interessiert das Privateigentum zu bewahren, aber unser Glück und unsere Befreiung hängt einzig davon ab, wie oft wir die Grundlagen deines Systems zum Wanken bringen. Deine Freiheit ist mein Grab, deine Nationalhymne ist die Beerdigungsmelodie beim Begräbnis des Klassenkampfes. Und deswegen: Nieder mit der Autokratie, nieder mit der Demokratie und es lebe die Gewalt der proletarischen Bewegung!“

Und so werdet ihr die Demokratie betrachten; wenn ihr versteht, dass es eure Aufgabe ist die soziale Revolution vorzubereiten; wenn ihr bemerkt, dass ihr für diesen Schlag alle Reichtümer benutzen müsst, damit jeder Arbeiter in Einklang mit seinen Fähigkeiten seine Bedürfnisse befriedigen kann; dass euer Ziel die Zerstörung jedes Staates ist, denn jeder Staat ist eine Mauer und eine Stütze, die das Eigentum schützt und unterstützt; wenn ihr versteht, dass die absolute Persönlichkeitsentwicklung nur in Kommunen ohne Staat möglich sein wird… also, samt all dem seid ihr keine Befürworter der arhia (Autorität), sondern ihr habt euch in Befürworter der anarhia (ohne Autorität) verwandelt und deswegen werdet ihr unter der Fahne des kommunistischen Anarchismus sein. Und nur wenn die Arbeiter dies als ihr Ziel beabsichtigen und diese Taktik annehmen, wird die Phrase von der Klassenbefreiung aufhören ein bloßes Wort zu sein. Nur so wird der Klassenkampf wie ein Sturm am bürgerlichen Horizont aufkommen; nur dann wird die bourgeoise Gesellschaft zum ersten Mal wanken, diese monströse Bestie, welche die proletarischen Kräfte erdrückt und sich von diesen ernährt.

Nieder mit der Autokratie!

Nieder mit der Demokratie!

Es lebe der kommunistische Anarchismus!

Es lebe die soziale Revolution!

Die russischen Kommunisten-Anarchisten

[Anarquistas de Bialystok 1903-08]

 

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