(Italien) Omar Nioi – An die internationalistische anarchistische Wochenzeitschrift „Bezmotivny“, eine Übung in Dankbarkeit

Gefunden auf informativo anarquista, die Übersetzung ist von uns.


(Italien) Omar Nioi – An die internationalistische anarchistische Wochenzeitschrift „Bezmotivny“, eine Übung in Dankbarkeit

19. August 2023

Wir wollen eine Gegenwart, die es wert ist, gelebt zu werden und nicht einfach in der messianischen Erwartung eines zukünftigen Paradieses auf Erden geopfert wird. Deshalb wollten wir ganz konkret von einer Anarchie sprechen, die jetzt und nicht erst morgen verwirklicht wird. Das „Alles und Jetzt“ ist eine Wette, ein Spiel, das wir spielen, bei dem es um unser Leben, das Leben aller, unseren Tod und den Tod aller geht…“. Pierleone Mario Porcu

Am frühen Morgen des 8. August startete der Staat über die Staatsanwaltschaft von Genua (in Person von Federico Manotti) und die DIGOS von La Spezia die x-te repressive Operation gegen den revolutionären Anarchismus.

Zehn anarchistische Gefährten werden im Rahmen dieser Ermittlungen angeklagt, darunter fünf Gefährten aus Carrara, für die der Staatsanwalt ursprünglich eine Haftstrafe beantragt hatte: eine Anordnung, die der Untersuchungsrichter Riccardo Ghio in vier Hausarreste mit allen Einschränkungen, fünf Aufenthaltsverpflichtungen mit nächtlicher Ausgangssperre und einen Gefährten, gegen den ermittelt wird, nun auf freiem Fuß geändert hat. Für einen der vier Gefährten, die unter Hausarrest stehen, ordnete der Untersuchungsrichter die Unterbringung im Gefängnis von La Spezia an, weil er keinen offiziellen Wohnsitz hatte: Luigi wurde bis zum 10. August im Gefängnis von La Spezia eingesperrt, dann wurde er unter Hausarrest gestellt.

Zusätzlich zu den Hausdurchsuchungen wurde auch der Circolo Culturale Anarchico „Gogliardo Fiaschi“, das historische anarchistische Zentrum in Carrara, durchsucht. Zeitschriften, Bücher, Pamphlete, Plakate und Datenträger wurden beschlagnahmt.

Den Gefährten wird Mitgliedschaft in einer subversiven Vereinigung zum Zwecke des Terrorismus (Art. 270bis StGB) und Anstiftung zu Straftaten (Art. 414 StGB) in Verbindung mit der Veröffentlichung der internationalistischen anarchistischen Zeitschrift „Bezmotivny“ im Jahr 2020 vorgeworfen, sowie Beleidigung der Ehre und des Ansehens des Präsidenten der Republik und klandestine Veröffentlichung.

Trotz des Elends der Zeiten, in denen wir leben und in denen die Repression gegen unsere Publikationen immer offensichtlicher und häufiger wird, waren diese kühnen Gefährten und die Wildheit des revolutionären Anarchismus in den letzten zwei Jahren ein Lichtblick in der uns umgebenden Dunkelheit. Die Beständigkeit, Ernsthaftigkeit und Entschlossenheit, mit der sie ihre/unsere internationalistische anarchistische Publikation mit vorausschauenden Analysen vorangetrieben haben, war und ist ein wertvolles Element der Propaganda eines nie gezähmten Anarchismus, der seine Messer weiter wetzt. Jetzt ist es an der Zeit, sie zu unterstützen und an ihrer Seite zu stehen. Seite an Seite mit unseren Gefährten zu stehen, bedeutet unter den vielen Fragen, noch einmal alles kollektiv auf sich zu nehmen, was gegen sie angefochten wird, die Isolation zu durchbrechen, als Teil unseres Kampfes, unseres Lebens, [um] den Weg, den der Staat mit der Verhaftung von Luigi, Paolo, Gaia und Gino angreift, als unseren eigenen zu nehmen.
Natürlich können wir nicht erwarten, dass wir mit Samthandschuhen angefasst werden. Der Staat tut seine Arbeit, und wir Anarchistinnen und Anarchisten setzen die Aufgaben, die seit den schicksalhaften Tagen von Saint-Imier auf uns warten, beharrlich in die Tat um, gegen jede Zurückhaltung…

Wir lehnen jede Opferrolle ab, wir lehnen jede Argumentation der Art „Angriff auf die Pressefreiheit“ oder „Ideen werden verfolgt“ ab, vielmehr erkennen wir hoch erhobenen Hauptes und immer in einer propositionalen Weise an, dass, wenn wir vom Staat geschlagen werden, es daran liegt, dass wir als unbequeme Realität betrachtet werden, es ist also keine Übertreibung zu sagen, dass wir in die richtige Richtung gehen. Dies ist sicherlich ein Anlass, um erneut über die Rolle der anarchistischen Presse und des Verlagswesens heute nachzudenken, aber vor allem, um uns mit uns selbst zu konfrontieren und uns nicht in unsere „Höhlen“ zurückzuziehen und zu bewerten, wie wir auf die Repression reagieren sollen, um dann aus irgendeiner Vollversammlung mit dem x-ten kollektiven Manifest herauszukommen, sondern um unsere Ideen mit größerer Kraft wiederzubeleben, Wir müssen wieder zu starken Gedanken zurückkehren und erneut von der Notwendigkeit einer revolutionären anarchistischen Publikation sprechen, die mit Kontinuität unseren Zielen, unserer Geschichte und unseren Wegen der Negation neue Kraft verleiht und die Arbeit der revolutionären anarchistischen Propaganda fortsetzt, die in den letzten Jahren von diesen und anderen Gefährtinnen und Gefährten geleistet wurde. Denn es ist gerade unser revolutionärer Wille, der den Treibsand der Orientierungslosigkeit und Passivität überwindet. Ein Wille mit der Entschlossenheit und optimistischen Anmaßung, die Realität um uns herum zu verändern, während wir die anarchistisch-nihilistische Spannung unverändert beibehalten, mit der wir, obwohl wir die Idee der sozialen Revolution nicht aufgegeben haben, der Meinung sind, dass diese Welt, wie sie heute ist, zerstört werden muss, ohne auf reife Zeiten zu warten. „Wer wird die Zeiten reif machen? – Und wer wird warnen, wenn die Zeit reif ist? – Was werdet ihr dann tun, und warum tut ihr es nicht jetzt? – Dann werdet ihr sagen: Die Zeit ist nicht reif. Weil ihr keinen Fortschritt wollt, weil ihr keine Freiheit wollt, weil ihr keine Gerechtigkeit wollt. Ihr sagt, dass die Zeiten nicht reif sind, um den Moment der Gerechtigkeit immer weiter hinauszuzögern, damit ihr so lange wie möglich unangetastet bleibt. – Masken ab. – Die Zeit ist immer reif, um Ungerechtigkeit zu beseitigen, wenn es Ungerechtigkeit gibt.“ Carlo Cafiero.

Es ist kein Zufall, dass diese x-te Untersuchung, die auf die Redaktion von „Bezmotivny“ gerichtet ist, mit den Ermittlungen, die zu Verurteilungen wegen Anstiftung zu Straftaten in Bezug auf KNO3, „Croce Nera Anarchica“ und „RadioAzione“ geführt haben, der Operation Sibilla in Bezug auf die anarchistische Zeitung „Vetriolo“ und der Veröffentlichung des Interviews mit Alfredo Cospito „Welche Internationale? -, das wir trotz jeder neuen Entführung weiterhin drucken werden.

In diesem Sinne können wir sagen, dass alles, was wir in den letzten Jahren mit unseren Publikationen erreicht haben, von unschätzbarem Wert war und ist, denn es ermöglicht den Anarchistinnen und Anarchisten von heute, sich ihre Ideen wieder anzueignen, ihnen Raum zu geben, mit der gleichen Kühnheit wie immer, unveränderlich in der Zeit, mit der gleichen Neigung, im revolutionären Bewusstsein zu handeln und unsere Internationale aufzubauen.

Freiheit für Luigi, Paolo, Gaia und Gino. Anarchistischen Gefährten, unsere Gefährten!

Solidarität mit dem Circolo Culturale Anarchico „Gogliardo Fiaschi“ von Carrara und mit allen Gefährten, gegen die ermittelt wird und gegen die Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden.

Omar Nioi
Assemini, 13.08.2023

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